Zen im LKH

Zen-Meditation
als Beitrag zur Gesundheitsförderung für Studierende, Bedienstete und alle Interessierten

Freitag, 17. 10. 2008 um 16.15 Uhr
Ort: Evangelische Lukaskapelle, am LKH-Gelände (zwischen EBA und Ambulanzeingang der Univ.-Klinik für Neurochirurgie)

Geeignet für JederFrau/Mann.

Bequeme Kleidung ist erforderlich! Falls vorhanden, Sitzkissen und dicke Decke (oder zwei Decken) bitte mitbringen.
Für Personen, die nicht die traditionelle Sitzhaltung einnehmen können, gibt es andere Sitzweisen.
 
Unterwiesen wird in der Tradition des Soto-Zen, Linie Taisen Deshimaru Roshi.

Leitung: Zen-Mönch Franz Blauensteiner

Organisation und Ansprechpartner im LKH-Univ.-Klinikum:
Univ.-Prof.Dr. H.P.Hofer (385-81268, 0664/9135390), Univ.-Klinik für Unfallchirurgie
Auenbruggerplatz 7a, A - 8036 Graz
e-mail:
 

Was ist Zen?

Generell bilden Meditationstechniken jenen aktiven Schritt, der benötigt wird, um rationales, begrenztes Denken zu beschwichtigen, damit der Zustand des Nicht-Tuns, der passiven Bewusstheit, des stillen Gewahrseins – was Meditation ist – erfahrbar werden kann. 

Das Geheimnis von Zen ist die Praxis von Zazen, dessen Essenz die Meditation im Sitzen ist. In der tradierten Meditationshaltung sitzt man mit aufrechtem Rücken, konzentriert auf die Körperhaltung und die Atmung. Die Gedanken - wie Wolken am Himmel - sie ziehen vorbei und der Geist wird friedlich und still. Einfach nur sitzen, konzentriert, aufmerksam im Hier und Jetzt, verwirklicht sich automatisch, unbewusst und natürlich die Essenz unseres Wesens - so ein traditioneller Wortlaut. Das Wort Zen bezeichnet die Klarheit des nicht begrenzten Geistes, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich und die Welt, Kategorien wie Materie und Geist, Form und Essenz aufgehoben sind. Die Praxis des Zen ist eine Form von Einheitserfahrung und eröffnet  Zugang zur Transpersonalität, wie z.B. unter anderen, auch die Erfahrungswege Yoga und Kontemplation. Erfahrungen des Transpersonalen, durch Praxisformen der Introspektion (Innenschau) bergen Möglichkeiten für ein neues Selbstverständnis und haben auch Eingang in  neuere, westliche Methoden, z.B. der transpersonalen Psychologie und Psychotherapie gefunden.
 
Obschon sich das Zen innerhalb der Lehrtradition des Buddhismus entwickelt hat, ist die Essenz seiner Botschaft – jenseits von Buddhist und Nicht-Buddhist -  von universeller Bedeutung.
 
„Zazen bedeutet, vertraut zu werden mit sich selbst, sein inneres Wesen zu „schmecken“ und in Einheit mit ihm zu gelangen und sich mit dem allumfassenden, universellen Leben zu harmonisieren.“ (aus: T. Deshimaru: Zen in den Kampfkünsten Japans. Kristkeitz-Verlag, 1978)
 
Die Lehre des Zen ist desweiteren untrennbar mit den japanischen Kampfkünsten in der Tradition der Samurai (Budo-Künste) verbunden.  „Do, der Weg, ist also die Art und Weise zu leben, die Lehre über das Ich, der Weg, um seinen Geist tiefgründiger zu verstehen …“, so Taisen Deshimaru Roshi.
 
Die positiven Effekte der Meditationspraxis sind multidisziplinär medizinisch - wissenschaftlich untersucht und neurobiologisch untermauert, was sich in einer Vielzahl von Publikationen niederschlägt.

Was Zen nicht ist:

die Wellness-Technik einer Sekte
etwas aus der Eso-Szene
etwas wo man erleuchtet wird
man der Realität entschweben kann,
man etwas erreicht und den Fortschritt messen kann, um seinen Profit zu erhöhen

ZEN - Meditation - wozu ?

Hofer HP1, Pieringer W2 

1. Hofer H.P, Prof. Dr., Universitätsklinik für Unfallchirurgie, Med Uni Graz
2. Pieringer W., o. Prof. Dr., Vorstand der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Med Uni Graz

Die Fähigkeit zum adäquaten Umgang mit Stress sowie zur Nutzung und Stärkung der eigenen körperlichen und psychischen Ressourcen sollte besonders für Beschäftigte in "high-stress" Berufen zur professionellen Grundausstattung gehören. Doch auch in der allgemeinen Bevölkerung tragen gegenwärtig aktuelle Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt zu erhöhtem Stress bei. Sozialmedizinisch relevant sind Lifestyle-Erkrankungen, die psychosomatische Beschwerden und Störungen beinhalten, bei denen die Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft als wesentliche Bedingungen zum Tragen kommen (3,7). Ende der 1970er Jahre begann Jon Kabat-Zinn an der University of Massachusetts die Wirkungen eines Programms (Mindfulness Based Stress Reduction), das einen Schwerpunkt auf die Achtsamkeitsmeditation legt, für Patienten mit chronischen Erkrankungen zu untersuchen und fand, daß sich Schmerzzustände dauerhaft besserten, Depressivität und Angst abnahmen, sowie Fähigkeiten zur Streßbewältigung zunahmen (10). Des Weiteren beschäftigt er sich mit der Kunst, Achtsamkeit und Mitgefühl in den Mainstream der Gesundheitssysteme wissenschaftlich fundiert einzuführen.

In jüngerer Zeit haben vor allem die Untersuchungen von Richard Davidson an der University of Wisconsin Aufsehen erregt, die u.a. anhand bildgebender Verfahren bei Gesunden zeigen, daß die Teilnahme am Achtsamkeits-Meditationsprogramm positive Gestimmtheit und damit korrelierend auch Immunfunktionen fördert (1,5,9,13). Meditation ist weit mehr als eine reine Entspannungstechnik. Neuroforscher stellen fest, dass regelmäßige Geistesübungen unsere grauen Zellen verändern - und damit auch, wie wir denken und fühlen (4,11). Eine aktuelle Arbeit weist sogar auf einen neuroprotektiven Effekt der Zen-Meditation hin (6).
Je weiter Forscher die Neurobiologie unseres Bewusstseins entschlüsseln, desto dringlicher wird die Frage: Gehen wir überhaupt richtig mit ihm um?

"Wir brauchen nicht nur eine Forschungsethik, sondern auch eine Bewußtseinsethik. Denn wenn wir unser Gehirn, z.B. durch psychoaktive Substanzen, immer gezielter beeinflussen können, müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, welche Bewußtseinszustände überhaupt wünschenswert sind", so der Neurophilosph und Neuroethiker Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Präsident der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft. Er empfiehlt die Entwicklung einer neuen und kritischen "Bewußtseinskultur", die eine kulturelle Einbettung des rasanten Erkenntnisfortschritts in der Hirnforschung leistet und Menschen dazu ermutigt, auch im Umgang mit dem eigenen Gehirn die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Als "Bewußtseinspflege" empfiehlt er die Vermittlung von Meditation und autogenem Training in Schule und Studium (2,8,12). Dies wären wichtige Instrumente, sich effektiv gegen Angriffe auf die eigene geistige Gesundheit zu verteidigen, zum Beispiel aus dem Bereich, den Metzinger "Informationsdschungel" nennt (8).

Literatur

1. Davidson RJ, Kabat-Zinn J, Schumacher J, Rosenkranz M, Muller D, Santorelli SF, Urbanowski F, Harrington A, Bonus K, Sheridan JF: Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation. Psychosom Med. 2003 Jul-Aug;65(4):564-70.
2. Hardy A.: Wissen vernetzen. Perspektive Forschung Frankfurt 4, 2005, S95 - 97
3. Harth W, Hillert A : Sissi-Syndrom und Tanorexie. Zivilisatosen: Die neuen Leiden der Menschheit. Ärztewoche 2007 Nr. 40 (21) S. 4
4. Kraft U. : Hirnforschung : Meditation - die neuronale Erleuchtung. Gehirn und Geist 10, 2005, S12 - 17
5. Lane JD, Seskevich JE, Pieper CF : Brief meditation training can improve perceived stress and negative mood. Altern Ther Health Med; 13(1) : 38 - 44
6. Pagnoni G, Cecik M : Age effects on gray matter volume and attentional performance in Zen meditation. Neurobiol Aging , Oct. 2007; 28 (10) : 1623 -
7
7.
http://www.bmas.bund.de/BMAS/Navigation/Service/publikationen,did=173068.html
8. http://www.jp.philo.at/texte/MetzingerT1.pdf
9. http://www.mindbodysummerschool.de/pdf/MBMSS.pdf
10. http://www.stressbewaeltigung-und-gesundheit.de/
11. http://www.sueddeutsche.de/,tt5m3/wissen/artikel/970/49921/
12. http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/119760/
13. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/203377.html


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