OEGARI

Anästhesie: Kritisch krank: Diagnostische und therapeutische Konzepte

Rund 1.000 AnästhesistInnen aus ganz Europa diskutieren neueste Erkenntnisse auf ihrem Gebiet

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) stehen nicht nur Fragen der Sicherheit und Qualitätssicherung im Vordergrund, sondern es geht auch um eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Und so wird erstmals ein Tag gemeinsam mit den KardiologInnen gestaltet. „Im besonderen geht es darum, dass immer mehr HerzpatientInnen mit Koronarstents – d.h. mit Stents, die zur Reduzierung wiederkehrender Blockaden oder Verengungen von Blutgefäßen eingesetzt werden – zu einer Operation kommen. Zur Verhinderung von Thrombosen müssen diese PatientInnen gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Diese Medikamente erhöhen aber das Blutungsrisiko bei einer Operation“, so Univ.-Prof. Dr. Helfried Metzler, Präsident der ÖGARI und Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Med Uni Graz. Das Absetzen der Medikamente erhöht das Stentthromboserisiko und damit das Herzinfarktrisiko während einer Operation, das Nichtabsetzen der Medikamente erhöht das Risiko einer Blutungskomplikation. Dieses Risiko kann nur dann minimiert werden, wenn es zu einer intensiven Abstimmung zwischen Chirurgie, Kardiologie und Anästhesie kommt. 

Intensivmedizin wird immer schonender

 
Schwerstkranke oder schwerverletzte PatientInnen, die zum Teil lange Krankheitsvorläufe haben, prägen das Bild der Intensivmedizin. Auf den Intensivstationen werden Strategien entwickelt, um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Und auch die künstliche Beatmung, die einen überbrückenden Charakter hat, wird zunehmend patientenorientierter und schonender gestaltet, was insbesondere den Übergang von der kontrollierten Beatmung hin zu mehr Eigenatmung betrifft. Dazu kommt, „dass wir dadurch zunehmend weniger dämpfende und schmerzstillende Medikamente einsetzen müssen, die immer kürzer wirksam und daher besser steuerbar sind“, sagt ÖGARI-Präsident Metzler. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Vermeidung von Infektionen, die mit 50% aller Komplikationen im Spital an erster Stelle stehen. „Die geltenden Qualitätsstandards in den Intensivstationen führen dazu, dass das Risiko von Infektionen deutlich gesenkt werden kann“, so Univ.-Prof. Dr. Claus Georg Krenn, Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, AKH-Wien. 

Helsinki Deklaration für Patientensicherheit in der Anästhesiologie

 
In der Helsinki Deklaration geht es um die Rolle der AnästhesistInnen vor, während und nach einer Operation, also um die sichere und umfassende perioperative Betreuung der PatientInnen. In der internationalen Vereinbarung werden die Kriterien festgeschrieben, die einen Qualitätsstandard für die PatientInnen gewährleisten sollen. „In der Helsinki Deklaration werden die Qualitätsstandards, die für uns ohnehin immer schon verbindlich waren, nochmals festgehalten, aus unserer Sicht ist es sehr gut, dass einheitliche Qualitäts- und Dokumentationsstandards auf Europäischer Ebene diskutiert werden“, so Univ.-Prof. DDr. h.c. Robert Fitzgerald, der für die ÖGARI im Board der Union Européenne des Médicins Spécialistes vertreten ist, und der die Helsinki Deklaration bei der Kongresseröffnung präsentieren wird. In der Deklaration wird gefordert, dass neben der Einhaltung von bestimmten Sicherheitsmaßnahmen europaweit auch die Beteiligung an Fehlermeldesystemen eingegangen wird. Betont wird auch die Bedeutung Qualität der Ausbildung von AnästhesistInnen. Fester Bestandteil der Deklaration ist die Schmerztherapie und auch, dass die Hersteller für die Zuverlässigkeit der Narkosegeräte und Sicherheit der Medikamente zu garantieren haben. 

Wissen schafft Sicherheit
 

Unter diesem Motto stand der heurige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die ihren Kongress ausgehend von der Helsinki Deklaration thematisch zentriert hatte. Weltweit werden ca. 230 Millionen Menschen jährlich einer Narkose unterzogen. Durch den Einsatz von neuen Medikamenten wird die Anästhesie kürzer und auch besser im Sinne der PatientInnensicherheit gesteuert. „Das betrifft Opioide, also Schmerzmittel, aber auch die Aufhebung von Muskelerschlaffenden Medikamenten, die zur Durchführung einer großen Operation – wie zum Beispiel einer Herz-, Gehirn- oder Bauchoperation notwendig sind und mit einem neuen, rasch wirkenden harmlosen Medikament in ihrer Wirkung aufgehoben werden können“, sagt ÖGARI-Präsident Univ.-Prof. Dr. Helfried Metzler. Ein weiterer Fortschritt ist, dass zunehmend Ultraschall bei Regionalanästhesietechniken eingesetzt wird, sodass das Lokalanästhetikum gezielt am Nerv injiziert werden kann, wodurch nur kleine Mengen benötigt und keine angrenzenden Strukturen verletzt werden, ergänzt dazu noch Metzler. Für die AnästhesistInnen geht es in ihren vier Kernbereichen – Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, um „die Einheit des Faches in der Vielfalt“, wie ÖGARI-Präsident Metzler betont. 
 
Bis zu 1.000 AnästhesistInnen aus ganz Europa werden am ÖGARI-Kongress, der vom 16. – 18. September 2010 im Messecongress in Graz stattfindet, erwartet.
 
Rückfragehinweis: Andrea Granegger-Körner: + 43/1/406 48 10 oder per E-Mail an:
 

Univ.-Prof. Dr. Claus Georg Krenn (Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, AKH-Wien), Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle Kozek-Langenecker (Präsidentin elect der ÖGARI), Univ.-Prof. Dr. Helfried Metzler (Präsident der ÖGARI und Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Med Uni Graz) (v.l.n.r.)

 



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