Eine Bank für die Forschung

Von Graz in die weite Welt und retour: Mit Unterstützung der Bank Austria Unicredit Group zum internationalen Forschungsaufenthalt 

 
„Der Aufenthalt war für meine weitere wissenschaftliche Tätigkeit von großem Wert und Nutzen“, so lautet der Tenor vieler, die mit Unterstützung des Bank Austria Visiting Scientists Program einen internationalen Forschungsaufenthalt absolviert haben. Sie haben für kürzere oder längere Zeit ihren eigenen Arbeitsplatz verlassen, um ihre – im besten Sinn des Wortes – „neu-gierige“ ForscherInnen-Nase in ein für sie neues Forschungsumfeld im Ausland zu stecken und so ihre Kenntnisse und Perspektiven zu erweitern. Diese neu gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sind auch für die Universität und das Klinikum von großer Bedeutung, weil dadurch laufend innovative Forschungsansätze kennengelernt, evaluiert und gegebenenfalls weiterentwickelt und an der Institution umgesetzt werden können. 29 ausländische Wissenschafterinnen und Wissenschafter konnten seit dem Jahr 2005 als GastforscherInnen an der Med Uni Graz willkommen geheißen werden. Im selben Zeitraum konnten insgesamt 56 MitarbeiterInnen der Med Uni Forschungsaufenthalte antreten, die sie in fast 20 Länder rund um den Globus führten. So geographisch gestreut die Aufenthalte sind, so divers sind – entsprechend der thematischen Vielfalt an unserer Institution – auch die Forschungsgebiete: Während der Dermatologe Univ.-Ass. Doz. Dr. Helmut Schaider am Wistar Institute in Philadelphia (Pennsylvania, USA) die Generierung und Anwendbarkeit von Hautrekonstruktionen verfolgte, konnte Dr. Helmut Karl Lackner (Institut für Physiologie) im Psychophysiology Laboratory der Stanford University in Kalifornien an einer psychophysiologischen Studie zur positiven Emotionsregulation arbeiten. Assoz.-Prof. Dr. Amulya Kumar Saxena (Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie) vertiefte an der Juntendo University in Tokio seine Techniken für die Untersuchung des neuronalen Netzwerks des Gastrointestinaltraktes; Mag. Daniela Gebauer (Univ.-Klinik für Neurologie) ergriff die Gelegenheit, am Center for Functional MRI of the Brain der University of Oxford vielseitigen Input für ihre Forschung zu sammeln; und Prof. Dr. Berndt Urlesberger (Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde) nahm an Forschungsprojekten zur Reanimation von Früh- und Neugeborenen am Royal Women’s Hospital in Melbourne, Australien, teil. Es muss aber nicht gleich so weit sein: Auch Institutionen nicht weit jenseits der Grenze – in Deutschland, Italien und der Schweiz – waren bereits Destinationen. Ausschlaggebend ist die wissenschaftliche Kompetenz und Reputation der Zielinstitution.   

Kommen und Gehen
 

Die Initiierung und Festigung solcher Kooperationen wird durch das Bank Austria Visiting Scientists Program der Medizinischen Universität Graz unterstützt. Bereits seit dem Jahr 2005 – also fast seit der Gründung der Universität im Jahr 2004 – ermöglicht ein Sponsoring durch die UniCredit Bank Austria AG die Durchführung des Programms. Das Angebot richtet sich dabei einerseits an wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Med Uni Graz, die ein kleines oder größeres Forschungsvorhaben an einer möglichst renommierten Forschungseinrichtung im Ausland durchführen wollen, um die Ergebnisse danach in Graz weiterzuverfolgen und/oder umzusetzen.

„Für die Förderung dieses Forschungsaufenthaltes danke ich der Bank Austria und dem Management der Forschungsförderung der Medizinischen Universität Graz herzlichst. Durch internationale Vernetzung mit hochrangigen Forschungsgruppen aus anderen Ländern wird die Möglichkeit geschaffen, neues Wissen zu erlangen, Techniken zu erlernen und Kooperationen zu bilden. Dies erweitert die zukünftigen Kooperationsmöglichkeiten beträchtlich.“
(Mag. Daniela Gebauer, Forschungseinheit für Neuroplastizität und Reparatur, Abteilung für Allgemeine Neurologie, UK für Neurologie über ihren Aufenthalt an der University of Oxford)

Umgekehrt können auch ausländische ForscherInnen an die Medizinische Universität Graz geholt werden, um hier an einem Institut oder einer Klinik in Zusammenarbeit mit Grazer WissenschafterInnen Forschungsarbeiten durchzuführen. Diese Variante wurde bisher weniger intensiv genutzt, bietet jedoch eine attraktive Möglichkeit, Kooperationspartnern die eigene wissenschaftliche Expertise näher zu bringen und dabei auch die Medizinische Universität Graz und den Forschungsstandort Graz insgesamt international noch sichtbarer zu machen. Diese Möglichkeit hat Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Leithner, Vorstand der Universitätsklinik für Orthopädie genutzt und Herrn Dr. Dimosthenis Andreou vom Department Tumororthopädie des Sarkomzentrums Berlin-Brandenburg an das Grazer Klinkum eingeladen. Im Rahmen des Aufenthaltes wurden mehrere Forschungsvorhaben initiiert und die zukünftige gemeinsame Vorgehensweise und Arbeitsteilung detailliert. Die Zusammenarbeit beurteilt der Gastforscher als „äußerst produktiv“, sodass er gleich nach dem Aufenthalt an die Weiterführung der Kooperation über die anstehenden Projekte hinaus denkt.  

Wissenschaftliche Begutachtung...

 
Im Sinne der umfassenden Qualitätsorientierung der Medizinischen Universität Graz werden auch die Forschungsaufenthalte im Rahmen des Bank Austria Visiting Scientists Program einer wissenschaftlichen Begutachtung unterzogen, bevor eine Vergabeentscheidung erfolgt – oder eben nicht erfolgt. Antragsstellerinnen und Antragssteller müssen ihr Forschungsvorhaben beschreiben und die konkreten Ziele und den wissenschaftlichen Nutzen des Auslandsaufenthaltes erläutern. Da bevorzugt Kooperationen mit renommierten Forschungseinrichtungen gefördert werden, wird auch die wissenschaftliche Leistung bzw. Reputation des Gastgebers bzw. der Gastgeberin mitberücksichtigt, um dem Prinzip „Lernen von den Besten“ Rechnung zu tragen. Die verantwortungsvolle Aufgabe der Begutachtung und der Erstellung von Vergabeempfehlungen erfüllt die Forschungsförderungskommission der Universität. Ihre neun Mitglieder – ausschließlich erfolgreiche Forscherinnen und Forscher der Universität – zeichnen dafür verantwortlich, dass für dieses und mehrere weitere Förderprogramme fachlich fundierte und objektive Vergabeentscheidungen getroffen werden. Viermal pro Jahr beruft der derzeitige Vorsitzende, Ao.Univ.-Prof. Dr.med.univ. Robert Krause (Klinische Abteilung für Pulmonologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin) – die Kommission ein, um die eingelangten Anträge zu diskutieren und zu evaluieren. Mit einer Bewilligungsquote von derzeit fast 80% ist das Programm trotz der eingehenden Qualitätsprüfung eine sehr offene und breit genutzte Fördermöglichkeit.
 
Eingeladen und verlässlich persönlich anwesend ist dabei auch ein Repräsentant des Sponsors Bank Austria Unicredit Group, Herr Franz List. Er verfolgt mit großem Interesse die Aktivitäten der ForscherInnen, die sich einerseits fachlich sehr von der Welt der Banken unterscheiden, andererseits jedoch auch Parallelen aufweisen: „Die letzten Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, wie sehr die Bedeutung nationaler Grenzen abgenommen hat – sei es in positiver Weise, dadurch dass sich neue Märkte für Unternehmen und neue Möglichkeiten für viele Menschen auftun oder in so problematischer Form wie einer Finanzkrise, die innerhalb kürzester Zeit zu einer weltweiten wird. Für zahllose Fragestellungen der Zukunft bedarf es Menschen, die willens und darauf vorbereitet sind, in internationalen Dimensionen zu denken und zu handeln. Die Wissenschaft kann in dieser Hinsicht auf eine lange Tradition zurückblicken. Die Bank Austria Unicredit Group fördert den internationalen Austausch nicht nur, weil er ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Standort Steiermark ist, sondern auch – über regionale und nationale Überlegungen hinaus gedacht – ein Beitrag zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Medizin, von dem wir alle – weltweit – profitieren“, meint Bank Austria-Landesdirektor Mag. Helmut Birringer. 

Das Bank Austria Visiting Scientists Program im Überblick 

  • Wer kann beantragen?
    • WissenschafterInnen der Med Uni Graz (für outgoing und incomings)
  • Was wird gefördert?
    • Forschungsaufenthalt von Med Uni Graz-MitarbeiterInnen an ausländischen Forschungsstätten (outgoing
    • Forschungsaufenthalte von ausländischen GastforscherInnen an der Med Uni Graz (incoming)
  • Wie hoch ist die Förderung?
    • Reisekosten bis max. EUR 1.000 (in Ausnahmefällen bis zu EUR 1.500)
    • Unterkunftskosten bis max. EUR 1.210
  • Wer begutachtet die Anträge?
  • Wann und wo kann eingereicht werden?
    • Die Einreichung erfolgt jeweils vor den Einreichfristen am 15. März, 15. Juni, 15. September und 15. Dezember im orschungsmanagement der Med Uni Graz
  • Wo erhalte ich nähere Informationen?
  • Kontakt:
    • Forschungsmanagement der Med Uni Graz
      Frau Andreja Glavina (

...für neue wissenschaftliche Chancen
 

„This program intensifies collaboration, has a person-to-person effect and opens new scientific chances“, beschreibt Univ.-Ass. Dr. Rudolf Schicho (Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie) seinen Eindruck nach einem einwöchigen Aufenthalt an der Universität von Nantes in Frankreich. Er forscht an der Rolle enterischer Neuronen bei Entzündungen des Darms. Mit seinem Kooperationspartner in Nantes versucht er, die Bedeutung des CRTH2-Rezeptors für die Entstehung der Krankheit zu ergründen und dazu beizutragen, ein geeignetes pharmakologisches Target zur Optimierung der Behandlung zu finden. Gemeinsame neue Projekte, die während des Aufenthaltes entworfen wurden, sollen weitere Schritte auf diesem Weg sein.
 
Dr. Carolin Auer MA MSc
Forschungsmanagement

 



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