Europäischer Kardiologenkongress in Paris: Herzkatheter und Schlaganfall-Risiko

Zu den gefährlichsten Komplikationen im Rahmen von Herzkatheter-Eingriffen zählen "cerebrovaskuläre Zwischenfälle" (CVA), also Schlaganfälle und vorübergehende Durchblutungsstörungen im Gehirn (TIA). Eine Studie der Johns Hopkins University (Baltimore, USA) mit österreichischem Erstautor ermöglicht es nun, jene Patienten zu identifizieren, die bei einem bestimmten Katheter-Eingriff ein besonders hohes Risiko einer CVA haben.

Eine Studie der Johns Hopkins University mit österreichischem Erstautor ermöglicht es nun, jene Patienten zu identifizieren, die bei einem bestimmten Katheter-Eingriff (Katheter-Ablation) ein besonders hohes Risiko für "cerebrovaskuläre Zwischenfälle" (CVA), also Schlaganfall oder TIA haben. Die Ergebnisse wurden auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) von Ass.-Prof. Priv.Doz. Dr. Daniel Scherr (Klinische Abteilung für Kardiologie der Med Uni Graz) vorgestellt. Fazit: Eine spezielle Score zeigt, dass Patienten mit einem generell hohen Schlaganfall-Risiko dieses besonders im Rahmen eines Herzkatheter-Eingriffs haben.

Der Hintergrund: Bei der Katheter-Ablation bei Patienten mit Vorhofflimmern wird mittels Herzkatheter das elektrische Reizleitungssystem des Herzens so manipuliert, dass die chaotischen Kontraktionen des Vorhofs (das "Flimmern") aufhören. Ein Nachteil dieser an sich gut verträglichen Methode liegt darin, dass es während und nach dem Eingriff bei 0,4 bis 2,1 Prozent (je nach Studie) zu einem Schlaganfall kommen kann. Die Risikofaktoren, die bei bestimmten Patienten zu Problemen führen, sind noch nicht bekannt. Diese Lücke sollte nun mit einer Studie (mehr als 700 Eingriffe) geschlossen werden.  

Insgesamt traten dabei bei 10 Patienten CVA auf, in 5 Fällen kam es zu Langzeit-Schäden im Sinne eines Schlaganfalls. "Obwohl die Patienten optimal betreut wurden und ausnahmslos eine adäquate gerinnungshemmende Therapie erhielten, kam es bei 1,4 Prozent zu CVA", so Prof. Scherr. Als wirksames Instrument zur Bewertung des individuellen Risikos erwies sich dabei der zur Ermittlung des Schlaganfallrisikos bei Patienten mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern entwickelte CHA2DS2VASc-Score, der patientenbezogene Parameter wie Alter, Geschlecht und bestimmte Vorerkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck etc.) in einem Punktesystem zusammenfasst. Ein hoher CHA2DS2VASc-Score (>=3) erwies sich als unabhängiger Risikofaktor für einen Schlaganfall während der Katheter-Ablation, während Patienten mit einem CHA2DS2VASc-Score von maximal eins nur ein sehr geringes Schlaganfallrisiko haben.

Textnachweis: B&K Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH 
 



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