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Medical University of Graz

Geschlechtersensible : Medizin

Diese Plattform wurde 2013 auf Initiative von Ao.Univ.Prof.in Dr.in Andrea Langmann ins Leben gerufen. Ziel der Seite ist es, geschlechtersensible Forschungsleistungen an der Medizinischen Universität Graz aufzuzeigen und zu dokumentieren sowie es ForscherInnen und interessierten Personen zu ermöglichen, sich einen Überblick über aktuelle Ausschreibungen, Kongresse und Beiträge zum Thema zu verschaffen.

Der Fokus geschlechtersensibler Medizin liegt auf der Berücksichtigung der Bedeutung des biologischen und des sozialen Geschlechts in der medizinischen Forschung und Praxis. Dazu zählt nicht nur die gezielte Rücksichtnahme auf unterschiedliche Körperprozesse und Krankheitsverläufe, gleichermaßen ist es wichtig, unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in die Prävention und die Behandlung von Krankheiten miteinzubeziehen.  

Die Notwendigkeit für geschlechtersensible Medizin wird etwa in Bezug auf Studien klar, die sich lange Zeit an "Mustermännern" orientierten. Bei der Erprobung von Medikamenten oder Behandlungen müssen gezielt auch geschlechtsspezifische Daten erhoben werden, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.  Ebenso lassen sich Unterschiede in Syptomen oder dem Kommunikationsverhalten feststellen, die für die Diagnostik berücksichtigt werden müssen. Ein Beispiel für die Notwendigkeit eines geschlechtersensiblen Umgangs in der Medizin ist die Depression. Üblicherweise gilt Depression als „Frauenkrankheit“, und tatsächlich wird sie bei Frauen häufiger diagnostiziert. Dies kann an biologischen Unterschieden und geschlechtsspezifischem Umgang mit Stress liegen, ebenso kann aber von einer Unterdiagnostik bei Männern ausgegangen werden. Ein möglicher Grund dafür ist, dass sich die Symptome der Krankheit bei Frauen und Männern häufig unterscheiden (bei Frauen gibt es eine hohe Komorbidität mit Angst- und Essstörungen, während Depressionen bei Männern häufig von Alkoholmissbrauch oder –abhängigkeit verdeckt werden). Ebenso kann es sein, dass die Symptome bei Männern aufgrund Geschlechterstereotype seltener ernst genommen werden.  

Da es noch viele weitere Aspekte der geschlechtersensiblen Medizin gibt, rückt dieses Gebiet zunehmend in den Fokus. An der Medizinischen Universität Graz beschäftigen sich einige WissenschafterInnen und Projekte mit geschlechterrelevanten Fragestellungen. Unser Wunsch ist es, diese Kompetenzen hier zu bündeln, sichtbar zu machen und sie zu stärken!

 

Wenn Sie Publikationen/Projekte haben die wir noch nicht angeführt haben, lassen Sie es uns bitte wissen ( verena.kuckenberger(at)medunigraz.at ).

 

Orientierungshilfe Genderrelevanz

Projekte/Publikationen sind genderrelevant wenn sie sich explizit mit einer Gender-Thematik auseinandersetzen, oder innerhalb des gewählten Themas einen deutlichen Gender-Bezug herstellen. Diese Kategorisierung richtet sich primär an Projekte, die sich tatsächlich durch einen Fokus auf Gender (=soziokulturelles Geschlecht) auszeichnen.

Wird der Fokus ausschließlich auf das biologische Geschlecht (sex) bzw. biologische Geschlechtsunterschiede gelegt, kann durch eine genderspezifische Auswirkung oder Fragestellung ebenfalls Genderrelevanz gegeben sein.

Ebenso ist neben inhaltlichen Fragestellungen auch gendersensible Methodik (Gender Bias) und der reflektierten Umgang mit Gender-Aspekten relevant.  

Von einer Gender-Thematik oder einem Gender-Bezug kann man z.B. sprechen wenn sich Fragestellung/Ergebnisse eines Projektes an unterschiedlichen sozialen oder kulturellen Perspektiven oder Bedürfnissen von Männern und Frauen orientieren oder nach eben diesen forschen (z.B. unterschiedliche Nutzung oder Zugang zu Produkten/Angeboten/Gesundheitsinstitutionen, Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensrealitäten der Geschlechter im Sinne von Lebensführung, Gewohnheiten, Auswirkungen der Umwelt/des Umfelds etc.).

Eine genderspezifische Auswirkung oder Fragestellung in Bezug auf das biologische Geschlecht wäre z.B. in einem Gebiet in dem Frauen in Untersuchungsgruppen unterrepräsentiert waren nach geschlechtsspezifischen Besonderheiten/Unterschieden zu fragen, um eventuell spezifische Bedürfnisse von Frauen nicht auszublenden.

Es werden drei Hauptformen des Gender Bias (geschlechtsspezifische Verzerrungseffekte) in der Forschung unterschieden,: „Androzentrismus bzw. Übergeneralisierung“ (männlich bestimmte Perspektive bzw. Ausschluss eines Geschlechts), „Geschlechterinsensibilität“ (Ignorieren von sex und/oder gender als bedeutende Faktoren) und „Doppelter Bewertungsmaßstab“ (unterschiedliche Behandlung oder Evaluierung gleicher Situationen auf der Basis des Geschlechts).

 

 

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