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Medical University of Graz

Erlaubte Sperrgründe

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das Sperren einer Abschlussarbeit auf Grund einer geplanten Publikation ist ein untaugliches Mittel, da die Sperre zeitlich begrenzt ist und somit als „Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis“ angesehen werden kann. Nur in wenigen Ausnahmefällen könnte eine vorübergehende Sperre sinnvoll sein, beispielsweise, wenn Forschungsergebnisse vor „Nachahmern“ geschützt werden sollen, bevor die eigene Publikation erscheint. Im Folgenden wird das Themengebiet des „Autoplagiats“ näher betrachtet:

1. Texte, Abbildungen und Tabellen anderer sind immer mit der entsprechenden Quellenangabe zu versehen (andernfalls: Plagiat!).

2. Um Abbildungen und Tabellen aus anderen Werken zu übernehmen, muss man immer die Erlaubnis (Permission) zur Reproduktion vom Copyright-Halter (Verlag) einholen. Die Erlaubnis muss zusammen mit dem Zitat der Quelle angegeben werden (Reproduced with permission from ... Verlag und Zitat). Das Copyright hängt im Detail vom jeweiligen Verlag, von der Art der Publikation, vom Publikationsvertrag usw. ab. Selbst bei open access Artikeln ist das nicht von vornherein klar, wenn man bedenkt, dass es 6 verschiedene Arten von Creative Commons Lizenzen gibt. Für jedes verwendete Bild/Grafik ist der Nachweis der Erlaubnis zur Bildnutzung durch den Urheber bzw. den jeweiligen Verlag zu erbringen und anzuführen.

3. Das Einholen einer Erlaubnis (Permission) ist auch für eigene Publikationen notwendig, es sei denn, im Publikationsvertrag verzichtet der Verlag darauf. Das Journal "Blood" sagt zum Beispiel auf seiner Homepage sinngemäß: “Authors reusing their own material, e.g. in theses and/or dissertations, must include appropriate attribution but do not need to contact Blood for permission.” Andere Journale verlangen sehr wohl eine Permission.

4. Wenn man Abbildungen übernimmt und modifiziert, wird in das persönliche Urheberrecht eingegriffen. Daher: Hände weg von einer Modifizierung von Abbildungen anderer!

5. Eine geplante spätere Publikation (Post-Publikation) in einem Journal, nachdem die Abschlussarbeit schon veröffentlicht ist, kann nicht durch eine vorübergehende Sperre gelöst werden. Nach dem Ende der Sperre ist jedem "Plagiatsjäger" Tür und Tor geöffnet, diese Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis anzuprangern. Um den "Fehler" einer Doppelpublikation (Autoplagiat) zu vermeiden, ist in der Post-Publikation auf jedem Fall anzugeben, dass die beschriebenen Ergebnisse Teil einer Abschlussarbeit (genaue Quellenangabe) sind. Damit wird die Sperre der Abschlussarbeit nicht notwendig.

6. Auch bei der Einreichung des Manuskripts zur Publikation in einem Journal ist auf das Bestehen einer Abschlussarbeit (Quellenangabe) hinzuweisen.

7. Einzelne Verlage werben sogar für die Veröffentlichung von Diplomarbeiten in Fachjournalen, z.B. Wiley. In den USA, wo Dissertationen oft über ProQuest/UMI publiziert werden, ist es üblich Teile einer Dissertation in Peer-Reviewed Journals zu publizieren (siehe z.B. https://graduate.ucsf.edu/publication).

Die folgende MIT Seite gibt einen guten Überblick, wie die Journale verschiedener amerikanischer Fachgesellschaften die Sache handhaben: https://libraries.mit.edu/scholarly/publishing/theses-copyright/theses-and-article-publishing/. Die American Association for the Advancement of Science (AAAS) sagt zum Beispiel, dass "in general, publication of a thesis, including through an open nonprofit website, does not constitute prior publication".


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