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Medizinische Universität Graz

Tag der Wiederbelebung 2017

Aktion: Drück Mich!

Zum Tag der Wiederbelebung lud die Initiative "Drück Mich!" alle Interessierten zu einem großen Informationstag ein.

Restart a heart day: Laienhilfe kann Leben retten


Der 16. Oktober ist weltweit als „Restart a heart day“ definiert und wird seit vier Jahren von der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin in Graz als „Tag der Wiederbelebung“ begangen. Wir wollen heute in Erinnerung rufen, dass für einen guten Erfolg, ein optimaler Ablauf der Rettungskette erforderlich ist.

 

Plötzlicher Herztod: Laienreanimation ist lebensrettend

Etwa 50 Prozent aller Todesfälle in Österreich sind auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zurückzuführen, etwa ein Drittel davon stirbt am plötzlichen Herztod. In der Steiermark sind etwa 1.100 Menschen pro Jahr betroffen, also rund drei pro Tag. In Graz verzeichnen wir durchschnittlich 300 Herzstillstände pro Jahr, wobei 150 Wiederbelebungsversuche gestartet werden, wovon etwa jeder zehnte Betroffene diesen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand überlebt.

Den heutigen Tag wollen wir nutzen, allen Grazerinnen und Grazern die Wichtigkeit der Lebensrettenden Sofortmaßnahmen mit dem Slogan „Rufen-Drücken-Schocken“ näherzubringen: Das bedeutet – sofort die Notrufnummer wählen (144) – mit der Herzdruckmassage beginnen- und die PatientInnen der Frühdefibrillation zuführen. Jede Hilfe ist sinnvoll - Laienhilfe ist lebensrettend!

 

Tag der Wiederbelebung: Universitäre Lehre als Garant für gute Versorgung

Der „Tag der Wiederbelebung“ wird sowohl von der Medizinischen Universität Graz, vertreten durch Rektor Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, als auch von der Stadt Graz, vertreten durch Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl, tatkräftig unterstützt. Weiterführende Erste Hilfe Kurse werden durch das Rote Kreuz angeboten.

Ebenso wird die Initiative von folgenden Personen maßgeblich unterstützt:
• Univ.-Prof. DDr. Philipp Metnitz, Leiter der Klinischen Abteilung für Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin, Med Uni Graz
• Ass.-Prof. Dr. Berthold Petutschnigg, Vizepräsident und Chefarzt des Roten Kreuzes Steiermark, Leitender Notarzt
• cand. med Anna Essl, Leiterin des Medizinercorps Graz sowie
• Univ.-Prof. Dr. Gerhard Prause, Notfallkoordinator am LKH-Univ. Klinikum Graz

Graz ist traditionell beispielgebend in der notfallmedizinischen universitären Lehre. Studierende der Humanmedizin starten mit einer Ausbildung in Erster Hilfe bereits im 1. Semester. Ab diesem Zeitpunkt lernen die Studierenden auch ihr Wissen weiterzugeben, beispielsweise als TutorInnen am „Tag der Wiederbelebung“. In weiterer Folge wird Notfallmedizin als Pflichtfach gelehrt, sodass alle AbsolventInnen des Studiums Humanmedizin in notfallmedizinischen Belangen geschult sind. Das darauf aufbauende Curriculum „Track - Notfallmedizin“ umfasst eine Stundenanzahl von mehr als 300 Unterrichtseinheiten und ermöglicht eine umfassende Ausbildung. Es besteht sowohl aus theoretischen Vorträgen als auch Übungen – zuerst am Phantom, später folgen Praktikumsstunden am Notarztwagen und in den Notaufnahmen.

 

Medizinercorps Graz: Internationales Erfolgsmodell der Notfallmedizin

Besonders hervorzuheben ist das Grazer Modell des „Medizinercorps“ des Roten Kreuzes in Graz. Vor 127 Jahren, im Jahr 1890, installierte der Chefarzt Dr. Baptist Tilly in Graz aus Mangel an Ärzten das „Medizinercorps der Grazer Rettung“, wo bereits Studierende der Medizin mit spezieller Ausbildung im Rettungsdienst eingesetzt wurden. Dieses nachahmenswerte Modell konnte bis zum heutigen Tag erhalten und perfektioniert werden und entwickelte sich zu einem fixen Bestandteil der Notfallversorgung in Graz. Studierenden der Humanmedizin an der Med Uni Graz wird diese erweiterte Ausbildung angeboten, wo sie sich bereits frühzeitig als Rettungs-SanitäterInnen aktiv einbringen und mit fortschreitenden medizinischen Kenntnissen die Karriere bis zum Notfallsanitäter mit allen Notkompetenzen auf Basis des Sanitätergesetzes, sog. „Rettungsmediziner“ beschreiten. Diese spezielle Ausbildung umfasst mehr als 3.000 Stunden.

Nach ca. 4-5 Jahren Ausbildung sind die Studierenden der Medizinischen Universität Graz daher nicht nur notfallmedizinisch hochqualifiziert, sondern auch gleichzeitig als NotfallsanitäterInnen der höchsten Kompetenzstufe ausgebildet. Die Verknüpfung dieser beiden Ausbildungen hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ermöglicht den AbsolventInnen des Medizinercorps eine hervorragende Ausbildung in Notfallmedizin. Unzählige hochrangige MedizinerInnen haben ihr notfallmedizinisches Handwerk beim Medizinercorps in Graz gelernt, darunter beispielsweise auch Chefarzt Berthold Petutschnigg und Rektor Hellmut Samonigg - das Medizinercorps ist die „Grazer Wiege der Notfallmedizin“.

Die RettungsmedizinerInnen des Medizinercorps des Roten Kreuzes Graz betreuen in Graz die beiden Großraum-Notarztwagen („Jumbo“). unterstützen mit ihrer kompetenten Hilfe das Notarztsystem unter der Verantwortung des Notarztes. Dieses österreichweit einzigartige und europaweit beachtete Modell ermöglicht eine optimale Versorgung der PatientInnen bereits am Einsatzort. Das Rote Kreuz Steiermark ermöglicht nunmehr seit mehr als 100 Jahren mit großem ideellen als auch finanziellen Einsatz den Bestand und die kontinuierliche Weiterentwicklung dieses Mediziner Corps, welches unter der ärztlichen Endverantwortung des jeweiligen Chefarztes des Roten Kreuzes agiert.


Fotos: Stadt Graz/Fischer

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