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Labordetail

Zika: Erhebliche Spätfolgen

Große Gefahr für ungeborenes Leben: Grazer ExpertInnen untersuchen Auswirkungen des Zika Virus in Rio de Janeiro.

Zika Virus: Auch milder Krankheitsverlauf hat erhebliche Spätfolgen


Das Zika Virus (ZIKV) wird vorwiegend durch Stechmücken aber auch durch Sexualkontakt übertragen und kann bei Schwangeren zu schweren Beeinträchtigungen des ungeborenen Kindes bzw. Säuglings führen. WissenschafterInnen der Forschungseinheit iDN (interedisciplinary Developmental Neuroscience) vom Institut für Physiologie der Med Uni Graz begleiteten mit einem Team internationaler KollegInnen aus den USA und Brasilien Frauen in Rio de Janeiro während ihrer Schwangerschaft und stellten fest, dass bereits ein milder Verlauf der ZIKV-Infektion zu schwerwiegenden Schädigungen im Nervensystem der Föten bzw. der Säuglinge führen kann.

 

Zika Virus: Große Gefahr für das ungeborene Leben  

Das Zika Virus (ZIKV) ist ein Flavivirus, das hauptsächlich durch die Stechmücke der Gattung Aedes sowie durch Sexualkontakt übertragen wird. Mit einer Infektion gehen grippeähnliche Symptome wie leicht erhöhte Körpertemperatur, Hautausschläge, Gelenks- und Kopfschmerzen sowie Bindehautentzündungen einher. Für gesunde Menschen verläuft die Infektion meist ohne schwere Komplikationen. Seit relativ kurzer Zeit weiß man, dass eine ZIKV-Infektion bei Schwangeren zu Schädigungen im Nervensystem des ungeborenen Kindes führen kann. Seit 2015 treten diese Fälle gehäuft vor allem in Lateinamerika auf. „Eine akute ZIKV-Infektion während der Schwangerschaft kann wesentlich schwerere Auswirkungen auf den Fötus haben, wie etwa den intrauterinen Tod oder Hirnschädigungen, zerebrale Missbildungen oder intrakranielle Verkalkungen sowie Schädigung der Augen“, erklären die ForschereInnen.

 

345 Frauen in Rio de Janeiro während Schwangerschaft begleitet  

In einer Studie untersuchte ein internationales Team von WissenschafterInnen unter Beteiligung von Assoz.-Prof. DDr. Peter B. Marschik und Univ.-Prof. Dr. Christa Einspieler, Med Uni Graz, von September 2015 bis Mai 2016 345 schwangere Frauen in Rio de Janeiro, welche die Symptome einer ZIKV-Infektion aufwiesen und innerhalb von fünf Tagen die Klinik der Oswaldo Cruz Foundation in Rio de Janeiro aufsuchten. „Das Ziel der Untersuchung lag darin, die Bedeutung der ZIKV-Infektion für die Schwangerschaft und somit die Entwicklung des Fötus sowie die Auswirkung auf die ersten Lebensmonate zu dokumentieren“, so die beiden Grazer ForscherInnen. Sowohl Blut als auch Urin der betroffenen Schwangeren wurde auf ZIKV, aber auch auf andere Viruserkrankungen mit ähnlichen Symptomen, wie Dengue, Chikungunya, Parvovirus B19 und Zytomegalie, sowie auf Syphilis und akute HIV-Infektionen untersucht. Die Studienteilnehmerinnen wurden nach der ZIKV-Behandlung wöchentlich mittels Telefoninterview kontaktiert und innerhalb von 30 Tagen erfolgte eine weitere ausführliche klinische Untersuchung, wobei fötale Ultraschalluntersuchungen mindestens drei Mal durchgeführt wurden.

 

Auch milder Krankheitsverlauf weist schwere Spätfolgen auf  

Laboruntersuchungen ergaben, dass von den 345 schwangeren Frauen mit typischen ZIKV-Symptomen 182 Frauen (53%) tatsächlich positiv auf ZIKV getestet wurden. Die Infektion ereignete sich dabei zwischen der 6. und der 39. Schwangerschaftswoche. „Mehr als 50% der Infektionen passierten im 2. Drittel der Schwangerschaft“, erläutert Peter Marschik. Ende Juli 2016 hatten 186 Schwangerschaften aus der Gesamtgruppe den Geburtstermin erreicht – darunter 125 Schwangerschaften von ZIKV-positiven Frauen und 61 von negativ auf ZIKV getesteten Frauen. In der Gruppe der ZIKV-Positiven wurden 117 Kinder lebend geboren, in der Gruppe der ZIKV-Negativen waren es 57. „Somit lässt sich festhalten, dass die intrauterine Mortalität mit etwa 7% in beiden Gruppen vergleichbar ist“, so die beiden Wissenschafter.


In der ZIKV-positiven Gruppe wurden bei 49 Säuglingen (42% der Lebendgeborenen) strukturelle und funktionelle Schädigungen des Zentralnervensystems festgestellt. In der negativen Gruppe waren es hingegen lediglich 5%. Mikrozephalie (zu geringes Schädelwachstum) trat bei vier Säuglingen auf, deren Mütter in der 8., 12., 30. bzw. 38. Schwangerschaftswoche eine ZIKV-Infektion hatten.


Zusammenfassend halten Peter Marschik und Christa Einspieler wie folgt fest: „Trotz des relativ milden Verlaufs der ZIKV-Infektion (nur 25% der Frauen hatten mäßigen Temperaturanstieg) ist die Anzahl der Schädigungen im Nervensystem der Föten bzw. Säuglinge mit mehr als 40% äußerst hoch, wobei die Mikrozephalie nur einen kleinen Teil der Komplikationen ausmacht.“


Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Christa Einspieler
Institut für Physiologie
Medizinische Universität Graz
Tel.: +43 316 380 4266
christa.einspieler(at)medunigraz.at
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1602412

Presse-Information

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