Allgemeine Neurologie

Neuronale Plastizität beschreibt die lebenslange Fähigkeit des Gehirns sich strukturell oder funktionell in Abhängigkeit von Erfahrung (Lernen) oder aufgrund von Schädigungen zu ändern. Mittels moderner MRT Technik, wie der Diffusions-Bildgebung oder funktioneller MRT untersuchen wir die Mechanismen der Plastizität, Reparatur und Reorganisation des Gehirns.

Unsere Forschungsschwerpunkte umfassen zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall), Multiple Sklerose und gesundes Altern und wie man durch tiefgreifenderes Verständnis der Reorganisation des Gehirns die Funktionsverbesserung unterstützen kann.

Ansprechpartner

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr.
Christian Enzinger,  MBA
T: +43 316 385 82180

Unsere Projekte

Schlaganfall im jungen Erwachsenenalter

  • Der Schlaganfall stellt die Hauptursache für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter dar und hat, vor allem für junge Patient*innen, oftmals verheerende Konsequenzen. In Österreich erleiden jährlich um die 24.000 Patient*innen einen Schlaganfall, wobei 10-15% im jungen Erwachsenenalter (18-55 Jahren) auftreten. Wir untersuchen im Rahmen eines prospektiv laufenden longitudinalen Projektes die Häufigkeit und Intensität motorischer und kognitiver Beeinträchtigung, zugrundeliegender MRT Marker und Auswirkungen auf die Lebensqualität und den beruflichen Wiedereinstieg bei jungen Schlaganfallpatient*innen. Dazu nahmen aktuell um die 270 Patient*innen (Stand Februar 2021) während des Akutaufenthaltes und nach 3 Monaten an einer standardisierten Untersuchung teil. Der interdisziplinäre Ansatz dieses Projektes stellt ein internationales Alleinstellungsmerkmal dar.
  • Laufzeit: 2016-2026
  • Gefördert durch: Eine Substudie dieses Projektes wurde vom Land Steiermark unterstützt.

Longitudinale Magnetresonanztomographie (MRT) zur Vorhersage kognitiver Funktion nach Schlaganfall

  • Obwohl zahlreiche Schlaganfallpatient*innen, unabhängig von motorischer Wiederherstellung, unter kognitiven Beeinträchtigungen (z.B. Schwierigkeiten sich zu erinnern, konzentrieren, planen) leiden, sind deren Ursachen und Auswirkungen bislang nur wenig erforscht. Sowohl das Diffusions-Tensor-Imaging (DTI), als auch resting-state fMRT (rfMRT) gelten als vielversprechende Methoden um Veränderungen im Gehirn, welche das Verbesserungspotential nach einem Schlaganfall vorhersagen können, im klinischen Kontext zu erfassen. Durch dieses Projekt soll ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden zerebralen Mechanismen von kognitiver Beeinträchtigung und Verbesserungspotential nach Schlaganfall erreicht werden.
  • Laufzeit: 2020-2023
  • Gefördert durch: Österreichische Nationalbank (Jubiläumsfonds).

 

Testung kognitiver Funktion bei Multipler Sklerose (MS)

  • MS ist eine chronische, inflammatorische, neurodegenerative Erkrankung und ist die häufigste neurologische Krankheit im jungen Erwachsenenalter. Um die 40-70% aller Patient*innen mit MS leiden unter kognitiven Beeinträchtigungen (z.B. Lernen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Konzentration), welche unabhängig von physischer Beeinträchtigung auftreten können und negative Auswirkungen auf die Berufsfähigkeit, Adhärenz und Lebensqualität haben. Eine standardisierte Erfassung der kognitiven Leistung in der klinischen Routine ist aufgrund mangelnder Zeitressourcen selten. Aktuelle Studien zeigen, dass ein 5-minütiges ipad-basiertes Screening helfen könnte, Patient*innen mit Bedarf einer umfassenderen Diagnostik und hohem Risiko für eine weitere kognitive Verschlechterung zu identifizieren. Im Rahmen dieses Projektes wird dieses Screening und dessen Assoziation mit umfassender neuropsychologischer Untersuchung (Sensitivität), Blutbiomarkern (z.B. serum NfL) und MRT Markern in einer Kohorte von 200 Patient*innen evaluiert. Durch ein besseres Verständnis der Schädigungen im Gehirn, welche zu kognitiver Beeinträchtigung bei MS führen, kann die Entwicklung gezielter Rehabilitationsmaßnahmen unterstützt werden.
  • Laufzeit: 2020-2022
  • Gefördert durch: Biogen Austria (PMID 10607).

 

Longitudinale, multimodale MRT zur Untersuchung von Gangtraining bei MS

  • Um die 80% aller Patient*nnen mit MS leiden unter Gangbeeinträchtigungen, welche zu Einschränkungen im Alltag und der sozialen Partizipation führen können. Durch gezielte, Rehabilitation kann die Gehfähigkeit der Patient*innen verbessert werden. Im Rahmen dieser Kooperationsstudie mit der Med Uni Innsbruck werden morphologische, mikrostrukturelle und funktionelle MRT Marker, welche einer möglichen Gangverbesserung nach einem 4-wöchigem Training zugrunde liegen, untersucht.
  • Laufzeit: 2021-2024
  • Gefördert durch: Celgene International II Sàrl
  • Projektpartner*innen: Medizinische Universität Innsbruck (Abteilung für Neurologie) und Reha Zentrum Münster.