Psychiatrie

Unser Team arbeitet seit vielen Jahren mit Patientinnen und Patienten mit einer bipolar affektiven Erkrankung und deren Angehörigen. Um neue Erkenntnisse und damit eine schnellere und bessere Diagnose und Behandlung der bipolaren Erkrankung zu erlangen, führen wir laufend aktuelle Forschungsprojekte durch. 

Schwerpunkte

Kognition

Neurokognitive Defizite sind häufige Begleiterscheinungen der bipolaren Störung. Sie persistieren nicht nur in akuten Krankheitsphasen, sondern ebenfalls in euthymer Stimmungslage, auch unabhängig von medikamentöser Therapie. Die häufigsten kognitiven Beeinträchtigungen, die bei bipolaren Patient*innen auftreten, sind Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Informationsverarbeitungsstörungen, Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen und des Gedächtnisses. Kognitive Defizite stehen maßgeblich mit dem Krankheitsverlauf und der Lebensqualität in Zusammenhang. Kognitive Störungen beeinflussen aber auch die Alltagsaktivität und die Lebensqualität. Derzeit gibt es erste Daten, die zeigen, dass kognitive Störungen auch durch einen ungesunden Lebensstil und Übergewicht bei bipolaren Menschen beeinflusst werden. Es ist daher ein Ziel der Forschungsgruppe, die Prävalenz und die Auslösefaktoren kognitive Defizite bei unseren Patient*innen frühestmöglich zu erfassen. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen kognitiver Dysfunktionen auf den Krankheitsverlauf sowie die Effekte gezielter therapeutischer Interventionen erforscht werden und so einen positiven Einfluss auf psychosoziale Funktionen zu bewirken.

Genetik und Epigenetik

In unserer Forschungseinheit wird unter anderem der Schwerpunkt "Psychiatrie-Genetik" intensiv beforscht. Hierbei bildet die Untersuchung der Genetik und Epigenetik affektiver Störungen (bipolare und unipolare Depression) den Hauptschwerpunkt.

Insbesondere werden die "Molekulare 24 Uhr" und der "zelluläre Stress" (Endoplasmatischer Retikulum Stress und oxidativer Stress) genetisch, epigenetisch und molekularbiologisch untersucht. Die Untersuchung der circadianen Rhythmik ist von besonderem Interesse, weil das komplizierte Uhrenwerk mehrerer Clock-Gene eng mit dem Neurotransmitterabbau über die MAOA (Monoaminooxidase A) zusammenhängt. Auch Life-Style-Erkrankungen (z.B. Adipositas) sind eng mit gestörten 24h Rhythmen, zellulärem Stress und chronischer Inflammation assoziiert und werden in diesem Zusammenhang in unseren Studien auf molekularbiologischer Ebene untersucht. Des Weiteren wirkt sich auch das stimmungsstabilisierende Lithium positiv auf die molekulare 24 Uhr aus. Im Rahmen des renommierten ConLiGen Consortiums nehmen wir auch an der Erforschung der Lithium-Response auf genetischer Ebene teil. Ebenso partizipieren wir am internationalen PSYCOURSE Consortium, welches den Langzeit Verlauf der bipolaren Störung erforscht. Zusammengefasst wollen wir einen Beitrag zur weiteren molekularbiologischen Entschlüsselung der affektiven Störungen leisten, um in Zukunft Laborbiomarker und bessere Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

Bildgebung

Um eine Vorstellung der neurobiologischen Grundlagen der bipolaren affektiven Störung zu erlangen ist es unerlässlich Methoden anzuwenden, die in der Lage sind dem jeweiligen Forscher direkten Einblick in das menschliche Gehirn zu geben.

Die moderne Technik kennt hierzu generell unterschiedliche Methoden. Die Magnetresonanztomografie, die gegenwärtig die etablierte Methode zur Diagnostik unterschiedlicher Erkrankungen des Gehirns darstellt, kann diese Aufgabe technisch am besten bewerkstelligen. Ihre Anwendung ermöglicht zum einen die generelle bildliche Darstellung des Gehirns, wodurch es möglich ist zum Beispiel Volumina einzelner Bereiche zu messen. Jedoch kann auch durch Anwendung spezieller weiterentwickelter Verfahren auch Einblick die für das menschliche Auge nicht mehr sichtbare Mikrostruktur genommen werden, welche vor allem im Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen eine besondere Bedeutung zu haben scheint.

Bei unseren Forschungsprojekten bedienen wir uns einer Vielzahl dieser Methoden um den Zusammenhang spezifischer Veränderungen des Gehirns und der bipolaren affektiven Störung besser verstehen zu können.

Lifestyle

Im Bereich "lifestyle" beschäftigen wir uns klinische als auch wissenschaftlich mit den Zusammenhängen von Lebensstilfaktoren- wie Bewegung und Ernährung- und der Entwicklung von psychischen Erkrankungen. Wir wissen dass regelmässige Bewegung psychischen Erkrankungen entgegenwirken kann und die Rückfallhäufigkeit affektiver Phasen reduzieren kann. 

Ebenso widmen wir uns intensiv dem Thema der Darmgesundheit auf verschiedenen Ebenen. Die Darm-Hirn-Achse ist Gegenstand intensiver Forschung, da diese Achse ver-mutlich an der Stressverarbeitung maßgeblich beteiligt ist. Stress und andere psychosomatische Faktoren begünstigen Veränderungen der Besiedelung unseres Darms, aber auch umgekehrt kann die Darmbesiedelung unser Denken beeinflussen. Der Darm beinhaltet einen großen Teil aller menschlichen Immunzellen und ist mit mehreren Millionen Nervenzellen ausgestattet, sodass er über den Vagusnerv Botschaften zwischen Darm und Gehirn übermittelt. Studien im Tiermodell unterstützen die Hypothese, dass der Einfluss des Magen-Darm-Mikrobioms auf das Gehirn über mehrere unterschiedliche Mechanismen erfolgt. Humanstudien zeigten zudem, dass etwa die extraintestinale Disseminierung darmstämmiger Bakterien („bakterielle Translokation“) bei Personen mit affektiven Erkrankungen häufiger waren als bei psychisch gesunden Menschen und dass Menschen mit Depressionen und bipolaren Störungen ein verändertes Mikrobiom (veränderte Darmflora) aufweisen. 

Das Ziel unserer Studie im Bereich der Darmgesundheit ist es durch die Veränderung der Darmbakterien auch psychische Symptome positiv beeinflussen zu können. 

Digitales Stimmungs- und Aktivitätentagebuch

Leider können der Zeitpunkt, die Ausprägung (Depression oder (Hypo)manie) und die Stärke kommender Episoden bei der bipolaren Erkrankung nicht vorhergesagt werden. Wir wissen jedoch, dass eine Episode umso milder verläuft desto früher sie erkannt und behandelt wird. In den meisten Fällen zeigen sich zu Beginn einer Episode wiederkehrende Warnzeichen, die sich häufig in Veränderungen der Schlafqualität, körperlicher Aktivität und der Belastbarkeit zeigen. Des Weiteren ist es bekannt, dass ein kontinuierliches Stimmungs- und Aktivitätenmonitoring und ein Hinterfragen von Änderungen positiv einer krankheitswertigen Entwicklung entgegen wirken können. Wir haben daher in Kooperation mit dem Technikunternehmen meemo-tec OG eine App für Smartphones entwickelt, die kontinuierliche und objektive Daten zu ihrem Stimmungsverlauf, körperlicher Aktivität, Schlafdauer und digitaler Kommunikation messen kann. Diese wird nun in einem Projekt an der Klinik hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht.

Sie haben ein Android-Smartphone und sind daran interessiert aktiv an einer innovativen Zusatzbehandlungsmöglichkeit mitzuwirken? Dann sind sie bei uns genau richtig; wir freuen uns über Ihre Teilnahme!

Kontaktaufnahme bitte telefonisch über unsere Spezialambulanz!

Somatische Versorgung psychisch kranker Menschen

Das Ziel dieses Projektes mit dem Arbeitstitel „Psyche, Ökonomie, Medizin: Spannungsfelder in der Versorgung psychiatrischer Patientinnen und Patienten im österreichischen Gesundheitswesen“ ist es eine mögliche Benachteiligung von psychisch-kranken Menschen in der somatischen Versorgung in der Steiermark aufzuzeigen. Im Rahmen dieses Projekts wird die Häufigkeit von sowie der Umgang mit somatischen Komorbiditäten bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung anhand von qualitativen und quantitativen Methoden aus Sicht von Patient*innen, Primärversorger*innen und Psychiater*innen evaluiert. Unter somatischen Komorbiditäten werden medizinische Zusatzerkrankungen verstanden, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Doppel- oder Mehrfachdiagnose. Darüber hinaus werden im vorliegenden Projekt ökonomische Aspekte der Versorgungssituation anhand ausgewählter Indikatoren analysiert. Daraus ergeben sich Handlungsempfehlungen für die bessere Versorgung somatischer Komorbiditäten bei psychischen Erkrankungen sowie für das zukünftige Unterbinden etwaiger Benachteiligungen, welche im Sinne der Zwei-Klassen-Medizin vermutet werden.