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„The Lancet“-Kommission: Bereich Frailty

Die renommierte medizinische Fachzeitschrift The Lancet hat mit Jänner 2025 eine internationale Kommission zum Thema Frailty (Gebrechlichkeit) ins Leben gerufen. Ziel ist es, in den kommenden zwei Jahren fundierte wissenschaftliche Empfehlungen zu entwickeln, die zur Neuausrichtung klinischer Praxis, Public Health-Strategien und Gesundheitspolitik im Umgang mit alternder Bevölkerung beitragen sollen.

Besonders erfreulich aus österreichischer Sicht: Die Medizinische Universität Graz ist neben dem renommierten Karolinska Institutet die einzige andere Universität, die mit zwei Expert*innen in dieser international hochkarätig besetzten Kommission vertreten ist.

 

Wissenschaftliche Expertise aus Graz

  • Erwin Stolz hat im Bereich der Epidemiologie und Sozialmedizin wissenschaftliche Expertise. Seine Forschung widmet sich u. a. dem Verlauf von Frailty und Pflegebedürftigkeit im Alter, den sozialen Determinanten von Gesundheit, gesundheitlicher Ungleichheit und präventiven Strategien für ältere Bevölkerungsgruppen.
  • Regina Roller-Wirnsberger bringt langjährige klinische und wissenschaftliche Erfahrung aus international renommierten Projekten zur Altersmedizin ein – darunter die Joint Action ADVANTAGE. Ihr aktueller Fokus liegt auf integrierten Versorgungsmodellen im Bereich „Health, Wellbeing and Ageing“, insbesondere im translationalen Zusammenspiel von Forschung, Praxis und Politik.

„Die Berufung in diese Kommission bietet uns nicht nur die Möglichkeit, aktiv zur internationalen Meinungsbildung im Bereich Frailty beizutragen, sondern stärkt auch die internationale Sichtbarkeit und das Profil der Med Uni Graz wesentlich“, so die beiden Expert*innen. „Gerade in der gesellschaftlichen Verantwortung der Universitäten – der Third Mission – eröffnet sich hier enormes Potenzial.“

 

Was ist das Ziel der Lancet-Kommission zur Frailty?

Die Kommission zielt darauf ab, das weltweit noch unzureichende Verständnis von Frailty – also altersassoziierter Gebrechlichkeit – zu verbessern und dieses zentrale geriatrische Syndrom als präventiv behandelbaren Zustand neu zu positionieren. Laut WHO ist Frailty ein wesentlicher Risikofaktor für funktionelle Einschränkungen im Alter und betrifft weltweit zwischen 12–24 % der über 65-Jährigen – mit besonderer Belastung bei sozial benachteiligten, kulturell diversen oder ländlich lebenden Bevölkerungsgruppen.

Die Arbeit der Kommission konzentriert sich auf vier Hauptbereiche:

  • Frailty als präventives Ziel erkennen: Neue Erkenntnisse zu den Ursachen und sozialen Einflussfaktoren sollen helfen, Frailty über den Lebensverlauf hinweg besser vorzubeugen.
  • Früherkennung und Diagnostik verbessern: Die Entwicklung einheitlicher Kriterien und Screening-Instrumente, abgestimmt auf WHO-Standards, soll die medizinische Praxis unterstützen.
  • Versorgung integrieren und verbessern: Die Kommission untersucht, wie Frailty in verschiedenen medizinischen Fachbereichen – z. B. Chirurgie, Onkologie, Kardiologie – als prognostischer Faktor systematisch berücksichtigt werden kann.
  • Gesundheitspolitik weiterentwickeln: Mit evidenzbasierten Empfehlungen sollen nationale Strategien zur Förderung gesunden Alterns gestärkt werden – etwa im Rahmen der UN-Dekade für gesundes Altern (2021–2030).

Die Lancet-Kommission bringt internationale Fachleute aus Geriatrie, Gerontologie, Pflege, Sozialwissenschaft, Public Health, Epidemiologie, Gesundheitsökonomie und Patient*innenvertretungen zusammen, um global einsetzbare Lösungen für eine alternde Gesellschaft zu entwickeln.