Schneefall, Frost und Eis: Wenn im Winter die Luft klar und kalt wird, greifen viele Menschen gern zur Schneeschaufel. Für das Herz kann der plötzliche Kraftakt in der Kälte allerdings gefährlich sein. Sinkende Temperaturen lassen die Blutgefäße verengen, der Blutdruck steigt -und das Herz muss härter arbeiten, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Eine schwedische Langzeitstudie mit über 280.000 Patient*innen stellte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen sehr kalter Luft und dem erhöhten Auftreten von Herzinfarkten her. Auch die Deutsche Herzstiftung warnt: "Frostige Temperaturen können Menschen mit Herzproblemen empfindlich schaden." Letztere sollten Bewegung bei Kälte zwar nicht meiden, aber mit Maß betreiben - sanftes Gehen, kein Schaufeln. Das Herz ist schließlich ein sensibles Organ. Es reagiert auf jedes Grad und jede Anstrengung.
Das weibliche Herz tickt anders
Besonders Frauen sollten genauer hinhören, wenn ihr Herz spricht, denn Frauenherzen ticken anders und werden oft anders behandelt. Die Symptome eines Herzinfarkts weichen bei Frauen häufiger vom klassischen Brustschmerz ab: Schmerzen können in den Rücken zwischen die Schulterblätter ausstrahlen oder sich als Übelkeit und Müdigkeit zeigen. Solche Signale werden leichter übersehen, mit verzögerter Behandlung und schlechteren Prognosen als Folge. Forschung und Medizin machen zunehmend auf diese Ungleichheit aufmerksam, doch sie besteht weiterhin.
Trotz dieser Ungleichheit gibt es neue Hoffnung, auch für weibliche Herzen, denn die moderne Forschung eröffnet neue Perspektiven, wie etwa der Fall einer erst 46-jährigen deutschen Patientin zeigt. 2016 überlebt sie einen Herzinfarkt, entwickelt in der Folge jedoch eine fortgeschrittene Herzschwäche. Sie leidet an Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck. Im Sommer 2021 bekommt sie ein innovatives Herzpflaster implantiert -als einer der ersten Menschen weltweit.
Ein Pflaster aus Millionen Zellen
In diesem Pflaster stecken 400 bis 800 Millionen Stammzellen. Es soll die Behandlung von Patient*innen mit einer schweren Herzschwäche verbessern und deren Lebensqualität. Zu verdanken ist die Revolution Wolfram-Hubertus Zimmermann, Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Uniklinik Göttingen. Ihm und seinem Team ist etwas gelungen, das lange als Science-Fiction galt: die Reparatur beschädigter Herzen bei Herzinsuffizienz durch Implantation des neuartigen Herzpflasters.
Letzteres ist winzig, kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze, und doch ein technologischer Triumph. Die Zellen stammen aus sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen), aus denen im Labor Herzmuskelgewebe gezüchtet wird, das sowohl Muskel- wie Bindegewebszellen enthält. Mithilfe eines Bio-Gels werden sie auf das Pflaster aufgebracht. Letzteres wird direkt auf die geschädigte Herzmuskulatur gesetzt und soll helfen, zerstörtes Gewebe zu regenerieren.
Die Herstellung dauert rund drei Monate. Weit zeitaufwendiger und teurer wäre es, das Pflaster aus körpereigenen Zellen herzustellen. In Tierversuchen mit Ratten und Rhesusaffen blieb das Implantat über Monate stabil, lebte weiter und verbesserte die Pumpkraft der Herzen. Nun wird die Methode erstmals am Menschen getestet. 53 Patientinnen werden im Rahmen einer klinischen Studie behandelt.
Eine von ihnen ist jene eingangs erwähnte 46-jährige Deutsche, die nach einem Herzinfarkt an schwerer Herzschwäche litt. Drei Monate nach der Implantation stieg die Pumpleistung ihrer linken Herzkammer messbar an - ein erster zarter, aber entscheidender Fortschritt. "Das Pflaster scheint zu funktionieren, weil es die Kontraktion des Herzmuskels unterstützt", sagt Markus Wallner, Leiter des Programms für Herzinsuffizienz an der Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz. "Und das erstmals auf Basis von nachwachsendem Herzgewebe", ergänzt der Herzspezialist.
Neue Hoffnung, aber kein Wundermittel
Rund 250.000 Österreicherinnen und Österreicher leben mit Herzinsuffizienz. Für sie bedeutet jeder Fortschritt Hoffnung ,denn die Krankheit ist fortschreitend, und Spenderherzen sind rar. Im Schnitt warten Betroffene eineinhalb Jahre auf ein neues Organ.
Das Herzpflaster könnte diese Wartezeit überbrücken beziehungsweise die Notwendigkeit einer Transplantation hinauszögern. Der Eingriff selbst ist minimalinvasiv - Chirurg*innen müssen das Brustbein nicht vollständig öffnen. "Das könnte eine Revolution in der Herzmedizin bedeuten", sagt Wallner. "Allerdings stehen wir erst ganz am Anfang." Damit das Implantat vom Immunsystem akzeptiert wird, braucht es wie nach einer Organtransplantation zwar Immunsuppression, aber die Richtung stimmt. Ziel ist ein sich selbst heilendes Herz.
Bis das Stammzellenpflaster eines Tages breiter verfügbar ist, bleibt Prävention die wirksamste Therapie. Mediziner*innen empfehlen mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung und den Verzicht auf Nikotin. Auch psychosoziale Faktoren spielen eine Rolle: Stress vermeiden und Freundschaften pflegen!
Die Idee, Herzgewebe nachwachsen zu lassen, öffnet ein neues Kapitel in der Medizin. Und sie reicht weit über die Kardiologie hinaus. Stammzellforschung könnte auch bei Krankheiten wie Parkinson, Diabetes oder Multipler Sklerose helfen. Bis diese Therapien im Alltag ankommen, ist Geduld gefragt und wissenschaftliche Expertise. "Stammzellen sind eine große Hoffnung für die Medizin", fasst Wallner zusammen. Es kann jedoch noch Jahre dauern, bis das Herzpflaster breitflächig zur Verfügung steht. Und selbst dann wird es wohl nur in spezialisierten Uni-Kliniken eingesetzt werden. Aber manchmal beginnt Wandel klein und unscheinbar: in einem Labor, in dem auf einem winzigen Stück die Basis für neues Herzgewebe gezüchtet wird.
So bleibt ihr Herz stark
Sieben einfache Wege, die das Risiko für Herzkrankheiten senken.
1. BEWEGEN SIE SICH REGELMÄSSIG, NICHT EXZESSIV.
Schon 30 Minuten Bewegung am Tag reichen, um Ihr Herz langfristig zu schützen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Intensität. Wer dabei leicht außer Atem kommt, aber noch sprechen kann, trifft das richtige Tempo.
2. ESSEN SIE WIE AM MITTELMEER.
Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Fisch, Olivenöl, Nüsse -die mediterrane Ernährung ist die am besten belegte "Herz-Diät". Sie senkt Blutdruck und Cholesterin, wirkt entzündungshemmend und unterstützt das Gefäßsystem. Fertigprodukte, rotes Fleisch und Zucker sollten dagegen selten auf den Teller kommen.
3. HALTEN SIE IHR STRESSLEVEL IM BLICK.
Chronischer Stress erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt. Achtsamkeitsübungen, Atemtechniken und Pausen im Alltag wirken wie ein Schutzfaktor für das Herz. Ebenfalls wichtig: regelmäßiger Schlaf -ideal sind sieben bis acht Stunden pro Nacht.
4. VERZICHTEN SIE AUF DAS RAUCHEN.
Schon wenige Zigaretten am Tag schädigen die Gefäßinnenwände. Nikotinverzicht ist die wirksamste Einzelmaßnahme, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
5. TRINKEN SIE MASSVOLL - ODER GAR NICHT.
Ein Glas Wein am Abend galt lange als "Herzschutz". Heute weiß man: Der Nutzen ist gering, das Risiko höher als gedacht. Alkohol kann den Blutdruck erhöhen, Herzrhythmusstörungen fördern und den Stoffwechsel belasten. Je weniger, desto besser.
6. REGELMÄSSIGE CHECKS.
Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin sollten Sie ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig überprüfen lassen - früher, wenn familiäre Risiken bestehen. Rechtzeitig erkannte Veränderungen lassen sich mit Lebensstil und Medikamenten gut behandeln, bevor sie das Herz schädigen.
7. PFLEGEN SIE BEZIEHUNGEN.
Was für die Seele gilt, gilt auch fürs Herz: Menschen mit stabilen sozialen Kontakten leben im Schnitt länger und gesünder. Studien zeigen, dass Einsamkeit und soziale Isolation den Blutdruck und die Entzündungswerte erhöhen.
Textnachweis: Karin Lehner/WOMAN