Kürzlich machte sich die deutschsprachige Radioonkologie-Community auf den Weg nach Graz – über 130 Expert*innen folgten dem Ruf des Jahrestreffens der Arbeitsgruppe Radiochirurgie-Stereotaxie der DEGRO und der DGMP, gemeinsam ausgerichtet mit den österreichischen Schwestergesellschaften ÖGRO und ÖGMP und lokal organisiert von Thomas Brunner und Peter Winkler der Med Uni Graz. Auf dem Programm: uroonkologische Tumore, allen voran das Prostata- und das Nierenzellkarzinom.
Den Auftakt machte ein Appetizer der besonderen Art: eine pointierte Diskussion zu den Wechselwirkungen von stereotaktischer Hochpräzisionsradiotherapie (SBRT) vertreten durch Daniel Bürgy aus Mannheim und Immuntherapie vom Onkologen Philipp Jost aus Graz.
Dann folgte der eigentliche Paukenschlag: das Nierenzellkarzinom, jahrzehntelang als strahlungsresistentes Sorgenkind der Radioonkologie angesehen, wird durch SBRT neu betrachtet. Mit Lokalkontrollraten von bis zu 100 % steht dieser Tumor plötzlich ganz oben auf der Indikationsliste – ein echter Paradigmenwechsel, der sich durch starke Evidenz selbstbewusst in das neue Selbstverständnis der Radioonkologie einschreibt.
Kontrovers und kurzweilig wurde es beim Prostatakarzinom: Roboterchirurgie (Sacha Ahyai, Graz) gegen SBRT (Zoltan Löcsei, Graz), Brachytherapie (Ute Ganswindt, Innsbruck) gegen stereotaktische Radiotherapie (Simon Spohn, Freiburg) – die Diskussionen hatten durchaus Duell-Charakter, ohne dass am Ende jemand das Feld räumen musste. Vielmehr zeigte sich: Der Wettbewerb der Methoden belebt das wissenschaftliche Geschäft.
Den geselligen Abschluss bildete ein Networking-Abend nur wenige Meter vom Grazer Rathaus entfernt – gefolgt von den Arbeitsgruppenmeetings der Mediziner*innen und Physiker*innen am Samstagvormittag.