Eine Studie der Johannes Kepler Universität Linz widmet sich der Erforschung des Mikrobioms. Alexander R. Moschen, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie, erforscht mit seinem Team, welche Rolle Mikroorganismen im Dünndarm bei der Entstehung bestimmter Beschwerden spielen, und wie dieses Wissen in Zukunft zu einer verbesserten Diagnostik und neuen Therapieoptionen beitragen kann.
Krampfartige Schmerzen, Darmgeräusche, Unwohlsein, Aufgetriebenheit, Blähungen und Durchfälle: Manche Menschen leiden regelmäßig – häufig verstärkt nach der Nahrungsaufnahme – an diesen Beschwerden. In vielen Fällen liefern selbst gründliche medizinische Untersuchungen wenig Erklärung für diese quälenden Symptome, was bei den Betroffenen zu Verzweiflung und Frust führt, da ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt ist.
„Eine gelegentliche, aber durchaus relevante Erkrankung und Erklärung für diese Symptome stellt das Dünndarmüberwucherungssyndrom SIBO (small intestinal bacterial overgrowth) dar“, erklärt Alexander R. Moschen. „Dabei kommt es zu einer Vermehrung – und oft auch einer Verschiebung der Zusammensetzung – von Mikroorganismen im Dünndarm. Zu viele und ,falsche Mikroben am falschen Ort‘ können zu erheblichen Beschwerden führen oder zu deren Entstehung beitragen.“
Somit stellt SIBO eine unterschätzte und bislang unzulänglich verstandene Ursache für unspezifische Verdauungsbeschwerden dar.
Die SIBOme-Studie soll den Einfluss von Dünndarmbakterien auf unsere Verdauung klären und in der Folge zu einer verbesserten Diagnostik und neuen Therapieoptionen beitragen.
Als Teil des Clusters of Excellence „Microbiomes drive planetary health“ fließt Expertise aus unterschiedlichen Teams in dieses Projekt ein, insbesondere auch aus der Gruppe von Christine Moissl-Eichinger, die an der Medizinischen Universität Graz den Forschungsschwerpunkt Mikrobiom leitet, und den Beitrag der methanbildenden Archaeen zu SIBO untersuchen wird.
Studienteilnehmer*innen gesucht
Patient*innen im Alter von 18 bis 40 Jahren haben die Möglichkeit an der SIBOme-Studie teilzunehmen, wenn sie regelmäßig an folgenden Symptomen leiden:
- Aufgetriebenheit/Blähbauch etwa 30 bis 90 Minuten nach der Nahrungsaufnahme
- Vermehrte Blähungen (Flatulenz) und/oder laute Darmgeräusche 30 bis 90 Minuten nach dem Essen
- Abdominelles Unbehagen (Bauchdyskomfort) 30 bis 90 Minuten nach dem Essen
- Stuhlunregelmäßigkeiten (z. B. Durchfall, Verstopfung oder wechselnde Stuhlkonsistenz)
Abklärung in der gastroenterologischen Ambulanz
Betroffene können ihre Beschwerden in der gastroenterologischen Ambulanz im Kepler Universitätsklinikum gezielt abklären lassen. Bei Interesse kann bei einem positiven Befund eine Teilnahme an der SIBOme-Mikrobiomstudie erfolgen. Die Teilnahme ist freiwillig, sämtliche Daten werden streng vertraulich behandelt.
Zum FWF-Exzellenzcluster
Die SIBOme Studie wird durch den FWF-Exzellenzcluster „Microbiomes drive planetary health“ finanziert (doi.org/10.55776/COE7).
Der Exzellenzcluster bringt Spitzenforscher*innen aus acht führenden Forschungseinrichtungen in ganz Österreich zusammen, um das Potenzial dieser mikroskopischen Gemeinschaften für die Gesundheit unseres Planeten zu erschließen.