COVID - Aldeca Productions/AdobeStock

Teilnehmer*innen gesucht: Studie zu Stress und Long COVID

Im Rahmen einer Studie untersucht ein Forschungsteam an der Medizinischen Universität Graz, inwiefern chronischer Stress ein Risikofaktor für Long COVID ist. Personen, die erstmalig oder erneut eine COVID-19-Erkrankung durchmachen, werden derzeit für die Studienteilnahme gesucht. Unterstützt wird die vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderte Studie auch von der Universität Klagenfurt, der Wayne State University (USA), JOANNEUM Research, der Apothekenkammer Steiermark sowie dem Land Steiermark und der Stadt Graz.


Long COVID: Krankheitsdauer von mehreren Monaten möglich

Die meisten Menschen erholen sich nach ein bis zwei Wochen wieder vollständig von einer COVID-19-Erkrankung. Bei zirka 10 bis 30 Prozent der Erkrankten bleiben die Symptome, von denen über 40 bekannt sind, jedoch über mehr als vier Wochen nach Krankheitsbeginn bestehen. In diesem Fall spricht man von Long COVID, das viele Menschen über Monate hinweg erheblich belastet und einschränkt. Über die Ursachen für Long COVID weiß man noch sehr wenig. Die steigenden Fallzahlen der letzten Wochen rücken COVID wieder ins Rampenlicht. „Es wird angenommen, dass Long COVID prinzipiell jede*jeden treffen kann. Als Risikofaktoren werden Alter, Geschlecht, Übergewicht oder auch die Zahl der Symptome während einer akuten COVID-19- Erkrankung diskutiert“, so Projektleiter Christian Fazekas von der Med Uni Graz.


Untersuchung der chronischen Stressbelastung im Fokus

Dazu werden Personen, die sich nachweislich in den letzten 7 Tagen mit SARS-Cov-2 infiziert und Symptome von COVID-19 entwickelt haben, in die Studie aufgenommen. Der Zeitraum für den Studieneinschluss läuft bis Ende Jänner 2024. Mittlerweile konnten bereits über 260 Personen in die Studie aufgenommen werden. Die Belastung durch chronischen Stress wird psychologisch mittels Fragebögen sowie physiologisch untersucht. „Durch die Messung der Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar kann die physiologische Stressbelastung im Organismus vor der Infektion analysiert werden“, beschreibt Christian Fazekas den Ablauf. Der Krankheitsverlauf wird bei den teilnehmenden Personen über 6 Monate beobachtet. So ist es möglich festzustellen, ob jene Personen, die vor der Infektion eine höhere Belastung mit chronischem Stress aufweisen, auch eher eine anhaltende COVID-19-Erkrankung bzw. Long COVID entwickeln.

Bei der Teilgruppe der Personen mit Long COVID werden außerdem die Stoffwechselprozesse im Blut, die mit der Stressreaktion des Körpers in Verbindung stehen, näher untersucht und diese Ergebnisse mit jenen einer Kontrollgruppe ohne Long COVID verglichen. Die Studienergebnisse tragen dazu bei, die Bedeutung von chronischem Stress für das Auftreten von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach der akuten Phase von COVID-19 auf mehreren Ebenen zu erfassen. „Innovative präventive Maßnahmen sowie neue therapeutische Ansätze für Long COVID sollen auf Basis dieser Ergebnisse entwickelt werden. Ergebnisse werden für das zweite Halbjahr 2024 erwartet“, blicken die Expert*innen in die Zukunft.

Zurzeit werden Teilnehmer*innen mit einem positiven PCR-Test, welcher nicht älter als 7 Tage ist, aktuell verstärkt gesucht! Diese Tests werden bei Verdacht auf eine COVID-Infektion nach wie vor von der Hausärztin*vom Hausarzt durchgeführt, bzw. werden von vielen Apotheken gegen Bezahlung angeboten. Interessierte werden gebeten, sich bei den angegebenen Kontaktstellen zu melden. Die Ergebnisse dieser Studie sollen als Grundlage dienen, um innovative präventive Interventionen und Therapiestrategien zu inspirieren, die bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden und somit einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung der Versorgung von Betroffenen und zum besseren Verständnis der Erkrankung leisten.

Kontakt

Univ. FA PD Dr.
Christian Fazekas  
Klinische Abteilung für Medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie
Medizinische Universität Graz
T: +43 316 385 13045