Mikroskopisches Foto von Zellen eines Pankreasadenokarzinoms

Weltfrauentag: Linda Waldherr arbeitet an neuen Wegen in der Krebstherapie

Die 32-Jährige leitet eine Forschungsgruppe, die alternative Dosierungsstrategien bei Chemotherapien untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die maximale Dosis, sondern eine fein abgestimmte Verabreichung. "Uns interessiert, was passiert, wenn man Therapie zeitlich und räumlich neu denkt", erklärt Linda Waldherr. So wird etwa erforscht, ob Medikamente über längere Zeiträume, in kleineren Mengen oder gezielt direkt am Tumor wirksamer und zugleich schonender eingesetzt werden können.

Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit sind Implantate, die Wirkstoffe direkt am Tumor freisetzen, so die Forscherin. Diese ließen sich von außen steuern und ermöglichen eine wesentlich präzisere Behandlung als herkömmliche Verfahren. Entwickelt werden die Technologien in internationalen Kooperationen mit Forschungspartnern in Schweden, Wien, Tschechien und Ungarn. Waldherrs Team bringt dabei die biologische Expertise ein und testet die Implantate in unterschiedlichen Tumormodellen, um ihre Effekte möglichst genau zu analysieren. 

“Damals wusste ich noch nicht viel über Krebs”

Was heute ein internationales Netzwerk mit Dutzenden beteiligten Forschenden ist, begann vergleichsweise bescheiden - und, wie sie selbst sagt, unbefangen. Während ihrer Dissertation startete sie erste Experimente an Gehirntumoren. Die Idee dahinter: Medikamente sollen möglichst dort wirken, wo sie gebraucht werden. "Damals wusste ich noch nicht viel über Krebs. Es war einfach eine Idee - aber sie hat sich als sinnvoll erwiesen." Heute ist die Forschung nicht mehr auf eine bestimmte Tumorart festgelegt. Im Fokus stehen lokale Effekte und Technologien, die sich flexibel an unterschiedliche Tumore anpassen lassen.

Studiert hat Linda Waldherr in Graz, zunächst Chemie, später Biochemie. Die Entscheidung fiel pragmatisch. "Mein Vater hat immer gesagt: Wenn du dich nicht entscheiden kannst, mach die Basics - dann bist du breit aufgestellt." Rückblickend war das für die Forscherin eine gute Wahl, denn viele ihrer heutigen Projekte greifen auf chemisches Grundlagenwissen zurück.

Als Frau in der Wissenschaft beschreibt Linda Waldherr ihre Erfahrungen überwiegend positiv. Sie berichtet von starker Unterstützung durch ihren Dissertationsbetreuer und von einem Umfeld, in dem viele Frauen in leitenden Positionen tätig sind. Gleichzeitig sieht sie strukturelle Schwächen im Wissenschaftssystem, wie zum Beispiel befristete Verträge oder wenige langfristige Karriereperspektiven. Besonders herausfordernd sei derzeit die Fördersituation. Forschungsanträge erforderten viel Zeit und Engagement, Ablehnungen seien häufig. "Das kann frustrierend sein", sagt sie - dennoch überwiegt für sie die Motivation.

Vision, Tumore ganz anders zu behandeln

Was die Forscherin antreibt, ist der Sinn ihrer Arbeit. "Ich frage mich wirklich nie: Wofür tue ich das überhaupt?" Die Vision, Tumore künftig gezielter und schonender behandeln zu können, motiviere sie - ebenso wie die Arbeit im Team und der internationale Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, so die Biochemikerin. "Wir haben eine sehr gute Stimmung. Alle ziehen an einem Strang, und das macht unglaublich viel Spaß."

In zehn Jahren sieht sich Linda Waldherr weiterhin in der Forschung - vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. Ausgleich findet die Jungforscherin abseits des Labors in den Bergen, beim Skifahren oder Singen. Danach kehrt sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurück - um weiter an neuen Wegen in der Krebstherapie zu arbeiten.

Textnachweis: APA-Science, 19.02.2026

Weitere Informationen und Kontakt

Linda Waldherr MSc PhD.
Lehrstuhl für Medizinische Physik und Biophysik
Medizinische Universität Graz
T: +43 316 385 71533