Forschungsgruppe Bärnthaler

Lungenfibrose: Wenn die Luft allmählich knapp wird

Wer an Lungenfibrose leidet, kann am Ende oft nur mit einem neuen Organ überleben. Ein Forscherteam der Med Uni Graz kämpft dagegen an.

Der trockene Husten schmerzt. Das Einatmen fällt schwerer und schwerer. Wird die Lungenfibrose entdeckt, ist die Krankheit meist schon weit fortgeschritten. Heilen kann man sie nicht. Thomas Bärnthaler will das ändern.

Mit seinem Team aus fünf Leuten an der Medizinischen Universität Graz sucht der Pharmakologe neue Medikamente für die Lungenfibrose. Die Krankheit tritt zum Beispiel nach einer Virusinfektion oder einer Autoimmunerkrankung auf. Bärnthaler interessiert aber die sogenannte idiopathische Lungenfibrose. Bei dieser Form weiß man nicht, warum die Patientinnen und Patienten krank werden, nur dass sie alle meist schon älter sind. Gerade deswegen wird uns die idiopathische Lungenfibrose in Zukunft mehr beschäftigen, ist Bärnthaler überzeugt. "Weil wir ein immer höheres Alter erreichen."


Medikamente können nur verlangsamen

Was sich von außen mit Husten und Atemnot bemerkbar macht, zeigt sich im Inneren des Körpers als komplexer Vorgang. Jene Zellen, die die Lungenbläschen auskleiden (Epithelzellen) sterben ab, gehen also verloren. Und andere Zellen (Fibroblasten) beginnen zu wuchern. Das Gewebe vernarbt. "Die Lunge versteift sich und die Krankheit schreitet fort, das geht bis zur Lungentransplantation", erklärt Bärnthaler. "Es kann lange dauern, bis die richtige Diagnose gestellt wird, weil die Symptome zu so vielen Krankheiten passen."

Seit etwa zehn Jahren gibt es zwei Medikamente, mit denen sich die Lungenfibrose behandeln lässt. Allerdings können sie die Krankheit nur verlangsamen. "Wir wollen sie stoppen und die Schäden vielleicht sogar rückgängig machen."


Forscher greifen ein

Einen vielversprechenden Ansatz gibt es schon: Das Gewebshormon mit dem sperrigen Namen Prostaglandin E2 scheint die Fibroblasten am Wachsen zu hindern und dazu noch die Epithelzellen zu schützen. Allerdings wird das Gewebshormon im Laufe der Krankheit abgebaut. Also haben die Forscher eingegriffen und den Abbau gehemmt. In sämtlichen Versuchen – ob im Zellmodell, im Lungengewebe von Patienten oder in Mäusen – hat sich gezeigt: Das hilft. Gerade sind erste klinische Studien zu der Methode geplant.

Bis es zu einem neuen Medikament kommen kann, braucht es Zeit. "Von den ersten Ergebnissen bis zur klinischen Studie vergehen oft Jahre." Währenddessen hat die Gruppe um Bärnthaler schon die nächste neue Substanz gefunden, die so ähnlich wie Prostaglandin E2 wirkt.

Es könnte sein, dass die Wirkstoffe und Medikamente, die entstehen, auch in anderen Organen und bei anderen Krankheiten wirken und nicht nur bei der Lungenfibrose. Dafür gibt es erste Anzeichen, derzeit wird weitergeforscht. "Das bleibt ein sehr spannendes Feld", sagt Bärnthaler.


Textnachweis: Anna Stockhammer, KLEINE ZEITUNG vom 01.06.2023