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NMR-Spektroskopie als Schlüsseltechnologie für die Life-Science-Forschung

Das Verständnis des Stoffwechsels ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Viele der in modernen Gesellschaften am häufigsten auftretenden Krankheiten, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen, sind durch tiefgreifende Stoffwechselveränderungen gekennzeichnet. An der Medizinischen Universität Graz wollen wir diese Veränderungen auf molekularer Ebene entschlüsseln, indem wir das Metabolom untersuchen – die Gesamtheit aller kleinen Moleküle, die den biochemischen Zustand von Zellen, Geweben und Organismen widerspiegeln.

Unsere Forschung stützt sich auf modernste Kernspinresonanzspektroskopie (NMR), eine quantitative, zerstörungsfreie Schlüsseltechnologie, die den Nachweis, die Identifizierung und die präzise Quantifizierung von Metaboliten ermöglicht. Über die Metabolomik hinaus ist die NMR die Schlüsseltechnologie und spielt eine zentrale Rolle in unserer Arbeit in der Strukturbiologie, wo wir die Struktur und Dynamik von Biomolekülen und Komplexen untersuchen, sowie in der Wirkstoffforschung, der pharmazeutischen Entwicklung und der Qualitätskontrolle. Durch die Analyse molekularer „Fingerabdrücke“ decken wir Krankheitsmechanismen auf, identifizieren Biomarker und unterstützen die Entwicklung und Validierung neuartiger therapeutischer Strategien.

Kontakt

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr.
Tobias Madl  
T: +43 316 385 72120

Meilensteine

Tobias Madl

Gründung des Center for Integrative Metabolism Research (iMRC)

Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung des Center for Integrative Metabolism Research (iMRC) durch Tobias Madl im Jahr 2016. Als Teil der strategischen Initiative BioTechMed-Graz hat sich das iMRC zu einem führenden (inter)nationalen Zentrum für innovative, interdisziplinäre Forschung entwickelt. Es leistet einen aktiven Beitrag zu zahlreichen Kooperationsprogrammen, darunter Doktorandenschulen, Leitinitiativen, Forschungszentren, COMET-Zentren und EU-finanzierte Projekte (siehe unten für Referenzprojekte). Unsere Infrastruktur dient als gemeinsame Plattform für die Medizinische Universität Graz, die Technische Universität Graz und die Universität Graz und bietet einer breiten wissenschaftlichen Gemeinschaft Zugang, Schulungen und Unterstützung. Wichtige Meilensteine in der Geschichte des iMRC waren die Installation des 600-MHz/14,1-T-Spektrometers (2017; finanziert vom österreichischen Bundesministerium und der Medizinischen Universität Graz), die Einführung von In-vitro-Diagnostika (IVDr; für Forschungszwecke; finanziert durch den Zukunftsfonds der Steiermärkischen Landesregierung) im Jahr 2018 sowie die Finanzierung und Installation des hochfeldstarken NMR-Spektrometers der nächsten Generation mit 800 MHz/18,8 T (2024; finanziert durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG und die Europäische Union/EFRE unter der Fördernummer 912192).

Tobias Madl

600-MHz & 800 MHz Spektrometer

Beide Spektrometer sind mit temperaturgesteuerten SampleJet-Autosamplern mit hohem Durchsatz und hoher Kapazität ausgestattet, die rund um die Uhr automatisierte Messungen von jeweils bis zu 500 Proben ermöglichen. Darüber hinaus verfügt das 800-MHz-Gerät über fortschrittliche kryogene Sondentechnologie, die hochsensible und automatisierte Messungen ermöglicht. Insbesondere stellt dieses System die weltweit erste 800-MHz-IVDr-Plattform dar, die standardisierte, NMR-basierte Metabolomik und klinische Stoffwechselanalysen mit hohem Durchsatz ermöglicht. Zusammen unterstützen diese Technologien die Forschung von grundlegenden molekularen Erkenntnissen bis hin zu groß angelegten klinischen und translationalen Anwendungen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat bei dem Betrieb und der strategischen Entwicklung unseres NMR-Zentrums höchste Priorität. Die Hochfeld-NMR-Spektroskopie ist auf kryogene Ressourcen angewiesen, insbesondere auf Helium, das sowohl kostspielig als auch eine begrenzte natürliche Ressource ist. Um diesem Problem zu begegnen, haben wir ein fortschrittliches Heliumrückgewinnungssystem eingeführt, das verdampftes Helium auffängt und dessen Recycling und Wiederverwendung ermöglicht. Dadurch wird der Heliumverbrauch um mehr als 85 % erheblich reduziert, die Betriebskosten gesenkt und die langfristige Versorgungssicherheit gewährleistet. Darüber hinaus betreiben wir ein lokales Stickstoffverflüssigungssystem, das die kontinuierliche Rückgewinnung und Wiederverwendung von flüssigem Stickstoff ermöglicht und so den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung weiter minimiert.

Über die Infrastruktur hinaus engagieren wir uns für nachhaltige Laborpraktiken und sind aktives Mitglied der Green Labs Initiative. Dazu gehören die Optimierung von Arbeitsabläufen im Hinblick auf Energieeffizienz, die Reduzierung von Abfall und die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen. Durch diese Maßnahmen wollen wir Spitzenforschung mit ökologischer Verantwortung verbinden und sicherstellen, dass unsere wissenschaftliche Exzellenz mit nachhaltigem Handeln im Einklang steht.

Förderung & Projektpartner